Einfach kindisch

Erzähler: Stefan Wilkening
Akkordeon:
Maria Reiter

 

Mit dem Programm EINFACH KINDISCH kommen dieses Mal die großen Kindsköpfe ( Erwachsene ) in den Genuss einer musikalisch-literarischen Reise: Heraus aus dem Ernst des Lebens und hinein mit kindischem Witz und Charme in ein amüsantes und phantasievolles Potpourri voller Gedichte und Geschichten. Poesie und Lyrik, rund um alles Kindische, "einfach kindisch" eben. Stroh ist beleidigt, Zitronen beschweren sich ...Hier werden nur der Realität Grenzen gesetzt - nicht aber der Phantasie! Zu Wort kommen große Kindsköpfe wie Heinz Erhardt, Joachim Ringelnatz, Franz Hohler, Axel Hacke und viele andere große Kindsköpfe, die rechtzeitig "ihre Kindheit in die Tasche gesteckt haben und davongelaufen sind".

 

Pressestimmen:

Herrliches Sandkastenspiel

"Stefan Wilkening habe „irgendwann mal beschlossen, seine Kindheit in eine Tasche zu packen und mit ihr davon zu laufen“, sagt Starnbergs „SZ“-Redaktions-Leiterin Sabine Bader zu Beginn des Benefizabends der „Süddeutschen Zeitung“ im Bosco. Wilkening sollte das auf ihn gemünzte Zitat kurz darauf schon allein dadurch bestätigen, dass er regelrecht auf die Bühne stürmte: „Einfach kindisch“ hieß passender Weise das Programm, das der vor Unternehmungslust schier platzende Schauspieler zusammen mit der Akkordeon-Virtuosin Maria Reiter zu Gunsten des „SZ-Adventskalenders für gute Werke“ vom Stapel ließ: Es wurde ein einziges Fest des Nichterwachsenseinwollens, voller Gustostückerl von Heinz Erhardts „Die Made“ bis zu Christian Morgensterns „Galgenliedern“, von Joachim Ringelnatz bis Robert Gernhardt, von Franz Hohlers „Kindergeschichten“ bis Axel Hackes „Besten Geschichten aus meinem Leben“. Die überbordende Gabe des langjährigen Kammerspiele-Akteurs Wilkening, kompakten Reimklassikern noch zusätzlich Szenisches einzuhauchen, feierte an diesem Abend wahre Triumphe, wohltuend eingebettet in die musikalischen Stichworte seiner Begleitung. Gab er physiognomisch überzeugend einen durchs Unterholz tappenden Erhardt´schen „Himbären“, geleiteten ihre Akkordeon-Klänge ihn wieder zu seinem Stuhl zurück und damit zur nächsten Verwandlung - Maria Reiter war quasi das sanft lächelnde Kindermädchen für diesen wunderbaren Springinsfeld an ihrer Seite.
Die ausgewählten Texte zählen fast allesamt zum Kanon deutschsprachiger Humor-Literatur: Manches wie von Morgenstern oder Erhardt konnte das Publikum quasi mitbuchstabieren, anderes wie etwa „Die Folgen der Trunksucht“ von Gernhardt schien für Viele eine echte Neuentdeckung zu sein. Allen Beispielen gemeinsam war indes das gedankliche Hakenschlagen, das Opponieren gegen die hehre Vernunft – und natürlich die pure Freude an der – zumeist gereimten - Sprache. Kostprobe gefällig? Bitte sehr, nochmals Joachim Ringelnatz: „Die Badewanne prahlte sehr / Und hielt sich für das Mittelmeer / Das eingebildete Bassin / Es wohnte im Quartier Latin.“ Wilkening servierte derlei Pretiosen nicht nur, er kredenzte sie in üppiger Deklamationspracht und schien auch selbst einigen Spaß zu haben, indem er sein Lesepult stets aufs Neue rauf- und runterschraubte, als wechselte er gerade mal wieder die Bedeutungsebenen. Großartig sein "Selbstgespräch einer Schnecke", das allen Langsamen und Zögerlichen dieser Welt ein Denkmal setzt, um nicht zu sagen: ein Schneckenhaus baut. Und Maria Reiter war mit ihren melancholischen Musette-Phrasen und der einen oder anderen „Strangers in the Night“-Anspielung für den sprudelnden Wilkening das nachdenklich-versonnene Pendant. Träumerisches Innenleben zum äußeren Furor der Texte. Am Ende fassten sich beide Künstler jedenfalls zur Entgegennahme des ausgedehnten Beifalls an den Händen. Wie Kinder, denen einige richtig gute Streiche gelungen waren. Heinz Erhardt hätte gesagt: „Noch ´n Gedicht...“

Thomas Lochte, Nachtkritik des Gautinger Theaters bosco, 27. 11. 2015